“Klar muss sein: Der Stellenabbau ist unvermeidlich”
100 Beiträge auf Nachrichtenfluss und dann so ein erschütterndes Thema: Die Zeitungskrise ist wieder einmal da. Zuletzt hat sie 2001/02 voll zugeschlagen. Thomas Knüwer von “Indiskretion Ehrensache” hat einen ausführlichen Artikel über den Abgang weiterer Redaktionsplätze veröffentlicht. Darin zitiert er einige Mails die innerhalb der Süddeutschen Zeitung kursieren.
Ob in einer solchen Medienwelt noch Platz für junge aufstrebende Journalisten ist? Man darf zumindest zweifeln. Und obwohl manche Studienkollegen noch immer nicht in Pessimismus verfallen wollen: Mit Pessimismus hat das schon lange nichts mehr zu tun. Realismus ist das richtige Wort und der gibt uns Jungjournalisten allen Grund unsicher herumzuschauen.
Zur Veranschaulichung möchte ich euch hier eines der Mails die Thomas Knüwer zitiert ungekürzt darstellen:
“Liebe Kollegen,
heute haben wir schlechte Nachrichten fürs ganze Team - weit schlechtere, als wir das noch in den letzten Tagen erwarten durften.
Die Finanzkrise, über die wir täglich schreiben und die sich mittlerweile zu einer Wirtschaftskrise geweitet hat, trifft die Süddeutsche Zeitung nun mit voller Wucht. Seit einigen Wochen brechen die Anzeigenaufträge massiv weg, die Prognosen für das nächste Jahr sind sehr schlecht, und der Verlag rechnet nicht damit, dass es bald besser wird. Dieser schnelle Einbruch war vor einigen Wochen, als mit der Austellung des Etats begonnen wurde, noch nicht absehbar. Und auch in den letzten Tagen gab es noch andere Signale aus dem Verlag, wie etwa dem Artikel von Marc Beise in der Umzugsbeilage zu entnehmen ist. Tatsächlich haben sich die Zahlen des Anzeigengeschäfts, das 60 Prozent des Umsatzes der SZ bringt, von Woche zu Woche verschlechtert. Der Rückgang des Anzeigengeschäfts, sagen Verlag und Chefredaktion, ist “dramatisch”.
Die Chefredaktion hat uns daher gestern nach Redaktionsschluss darüber informiert, dass es bei der Süddeutschen Zeitung einschneidende Sparmaßnahmen geben wird - so wie bei anderen Tageszeitungen auch. Durch diese Sparmaßnahmen soll verhindert werden, dass die Zeitung wie in der Zeitungskrise 2001/2002 wieder in die roten Zahlen rutscht. Die Redaktion muss daher ab dem nächsten Jahr mit weniger Personal und einem deutlich geringeren Etat auskommen. Dies hat der Herausgeberrat diese Woche entschieden. Für uns als Redaktion bedeutet dies: Wir müssen die Zahl der festen Mitarbeiter deutlich reduzieren. Dies betrifft gleichermaßen alle Ressorts. Aus Sicht des Verlags sind betriebsbedingte Kündigungen unausweichlich - es sei denn, die Redaktion findet einen anderen Weg, um den Personalabbau zu organisieren.
Wir sind davon überzeugt, dass es einen anderen, bessern Weg gibt. Chefredaktion und Ressortleitung werden daher in den nächsten Wochen mit Mitarbeitern darüber reden, ob sie freiwillig aus der Redaktion ausscheiden. Der Verlag will Mitarbeitern, die dieses Angebot annehmen, eine Abfindung zahlen. Wir werden bitten daher alle festen Mitarbeiter, die ohnehin über eine andere Lebensplanung nachdenken, über einen freiwilligen Abschied nachzudenken - versehen mit einer entsprechenden Abfindung.
Wir werden darüber hinaus prüfen, auf welche Mitarbeiter wir unter den veränderten Bedingungen auf keinen Fall verzichten können - und welche eher verzichtbar sind. Mit diesen Mitarbeitern werden wir anschließend über eine freiwillige Auflösung ihres Vertrags reden. Denn unser Ziel ist es, auch mit weniger Mitarbeitern künftig eine Zeitung mit sehr hoher Qualität zu produzieren. Dies ist gerade in einer Zeit wichtig, in der die Wirtschaftskrise von der XXX-redaktion eine besondere Kompetenz erfordert.
Klar muss dabei sein: Der Stellenabbau ist unvermeidlich.
Gelingt es der Redaktion nicht, diesen selber zu organisieren, wird der Verlag dies übernehmen - mit unabsehbaren Folgen für die Qualität des Blattes.
Auch beim Honoraretat und beim Reiseetat wird es ab dem nächsten Jahr deutliche Einschnitte geben - und zwar jeweils um 20 Prozent. Wir werden in den nächsten Wochen prüfen, wo sich diese Einsparungen realisieren lassen. Ein Einschnitt von 20 Prozent bedeutet dabei keineswegs, dass jeder fünfte Pauschalist gehen muss. Es gibt im Honoraretat noch etliche andere Posten, die erhebliches Einsparpotenzial bieten. So werden wir sicher künftig erheblich weniger Texte von Fremdautoren drucken. Auch die Bildhonorare werden wir überprüfen, ebenso die Reisetätigkeit. Künftig werden wir Interviews häufiger nur noch mit einem Redakteur oder Pauschalisten besetzen können. Auf aufwendige Reisen werden wir häufiger verzichten - wahrscheinlich auch auf das für 2009 vorgesehene Korrespondententreffen.
(Zur Anonymisierung wurde hier ein Teil entfernt) Auch wir sind seit gestern in einem Ausmaß beunruhigt, wie wir dies bisher nicht waren. Es ist auch kein Trost (aber man sollte es bedenken), dass es anderswo in der Wirtschaft nicht besser aussieht, sondern häufig noch weit schlimmer (Zur Anonymisierung wurde hier ein Teil entfernt).
Wir wissen auch, dass es schwer ist, sich unter diesen Bedingungen voll auf seine Arbeit zu konzentrieren. Aber gerade jetzt, in einer auch für die Tageszeitungen schwere Zeit, ist dies besonders wichtig - damit die Süddeutsche Zeitung im Lesermarkt (dem es immer noch deutlich besser geht als dem Anzeigenmarkt) auch in Zukunft erfolgreich ist.”
































Jungjournalisten habens in den nächsten Jahren vielleicht noch schwerer als eh schon, trotzdem brauchen sie nicht ganz so pessimistisch in die Zukunft zu schauen. Der Großteil der heutigen Journalisten ist alt, die Jungen werden noch eine gewaltige Nachfrage nach ihrem Talent miterleben.
Dezember 16th, 2008 at 16:45